Kuba und Frankreich stärken Beziehungen

raul_parisRául Castro absolvierte zweitägigen Staatsbesuch in Paris – Französische Staatsspitze fordert Ende der US-Blockade – Zahlreiche bilaterale Verträge unterzeichnet und Umwandlung der kubanischen Auslandsschulden in Entwicklungsfonds

Von Michael Wögerer

„Bonjour, monsieur le Président!“, hieß es für Raúl Castro Ruz am Montag und Dienstag allerorts in Paris. Der Präsident der Republik Kuba wurde bei seinem Staatsbesuch in Frankreich und zugleich erstem in der Europäischen Union mit offenen Armen willkommen geheißen. Sein französischer Amtskollege François Hollande forderte die USA eindringlich dazu auf die Wirtschaftsblockade gegen die Karibikinsel zu beenden, nicht zuletzt auch aufgrund wirtschaftlicher Interessen der Grande Nation.

„Frankreich war trotz der internationalen Spannungen, die es beispielsweise in der Zeit des Kalten Krieges gegeben hat, immer von der Notwendigkeit einer Aufhebung des Embargos und damit der Beendigung der Blockade Kubas überzeugt“, betonte Hollande beim Empfang seines „Freundes“ im Élysée-Palast und erinnerte damit auch daran, dass Frankreich seit 1992 in der UNO gegen die US-Blockade gestimmt hat.

Raúl Castro bedankte sich in seiner Rede für die warmherzige Aufnahme und sagte, dass die zuvor geführten Gespräche in einer herzlichen Atmosphäre stattgefunden hätten und von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen seien. Er bekräftigte den Willen die bilateralen Beziehungen auf allen Ebenen auszuweiten.

Dementsprechend wurden nach den offiziellen Gesprächen und dem anschließenden privaten Gedankenaustausch der beiden Präsidenten bereits zu Beginn des Staatsbesuchs zahlreiche bilaterale Verträge unterzeichnet. Der für Kuba wohl wichtigste Punkt dabei war die Umwandlung kubanischer Außenhandelsschulden gegenüber Frankreich in Aktiva für einen gemeinsamen Entwicklungsfonds, der mit 212 Millionen Euro ausgestattet ist. Der kubanische Präsident begrüßte den von der französischen Regierung ausgesprochenen Willen, Kuba bei seinen Plänen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu begleiten und sich aktiv daran zu beteiligen. Bisher sind bereits etwa 30 französische Unternehmen wie die Hotelgruppe Accor oder die Fluggesellschaft Air France auf der Insel tätig. Der Wein- und Spirituosen-Konzern Pernod Ricard organisiert den internationalen Vertrieb des kubanischen Rums Havana Club.

raul_paris_bgmAm zweiten Tag seines Besuches in Frankreich stand ein ebenso umfangreiches Programm auf der Tagesordnung des Staatsgastes aus Kuba, darunter ein Treffen mit Irina Bokowa, Generaldirektorin der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), den Präsidenten der Nationalversammlung (Claude Bartolone) und des Senats (Gerard Larcher), der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo (Bild rechts) sowie zum Abschluss mit dem französischen Premierminister Manuel Valls. Letzterer verwies auf den ausgezeichneten Stand der Beziehungen beider Länder. Um diesem Prozess Kontinuität zu verleihen, sprach Castro sogleich eine Einladung an den französischen Premier aus, Kuba zu besuchen.

Die weithin als historisch bezeichnete Reise von Raúl Castro war der erste offizielle Staatsbesuch in Frankreich, den ein kubanischer Präsident jemals absolviert hatte. Sein älterer Bruder und Revolutionsführer Fidel war zwar 1995 auf Einladung der UNESCO zu Besuch in Paris und wurde vom damaligen Präsidenten François Mitterrand wie ein Staatsgast empfangen, es handelte sich jedoch um keinen „offiziellen Staatsbesuch“.

Die nun 21 Jahre später ganz offiziell absolviert Reise des kubanischen Präsidenten wurde auch von der Kuba-Solidaritätsbewegung intensiv begleitet. Mehrfach hatten sich bei den Auftritten Raúl Castros mit Fahnen geschmückte Kubafreunde versammelt, die mit „Viva!“-Rufen Raúl, Fidel und die Revolution feierten.

Der Beitrag erschien in gekürzter Fassung auch auf:

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Weiterführende Links/Quellen:

Fotos: Estudio Revolución/Granma

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1 Kommentar

  1. Die Errichtung des Entwicklungsfonds, der mit 212 Millionen Euro ausgestattet ist, ist eine Wichtige, den Aufbau von wirtschaftlichen – kulturellen – und politischen -Beziehungen fördernden Maßnahme. Daran sollten Sich weitere EU – Mitglieder, auch Österreich, ein Beispiel nehmen und nachfolgen.

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