Was können wir für die „Verlierer“ der Globalisierung tun?

Von Max Aurel

Anfang dieses Jahres ging ein Graph um die Welt. Graf? Nein, Graph! Es handelt sich hierbei um den „Elefanten-Graph“ von Branko Milanovic, dem Chefökonom der Weltbank. Darin stellte Milanovic die Veränderung der Einkommen der verschiedenen Perzentile der Welt dar, und zwar über den Zeitraum von 1988-2008.

Perzentile sind Abstufungen in der Statistik, bei der eine Verteilung in 100 gleich große Teile zerlegt wird. Milanovics Graph zeigt also die Einkommensentwicklung des Top 1%, des Bottom 1% und auch der 77% der Welt.

Elefanten Graph Branko Milanovic
Quelle: Branko Milanovic

Konzentrieren wir uns auf den Bereich zwischen dem 75. und 85. Perzentil. Laut Milanovic ist das die „Working Class“ der Industriestaaten und der ehemaligen „Ostblock“-Staaten. Was können wir also erkennen? Dieser Perzentilbereich ist neben dem Bottom 1% der einzige Bereich, in dem die realen Einkommen im Beobachtungszeitraum stagniert oder sogar weniger geworden sind. Wenn wir in politischen Diskussionen den Begriff „Abgehängte“ hören, die in Scharen zu den Parteien am rechten Rand übertreten, geht es um genau diese 10% der Weltbevölkerung.

Eine der Ursachen: Outsourcing

Es gibt unzählige Bücher und Artikel darüber, warum die unteren Einkommen in den letzten 25 Jahren nicht zugenommen haben. Die Erklärungen rangieren von Ungleichheit im Bildungssystem, der Schwächung von Gewerkschaften bis hin zu „Big Money“ in der Politik, also großzügige industrielle Parteispender und Lobbyismus. Doch wir konzentrieren uns heute auf einen Erklärungsansatz, der besonders im US-amerikanischen Wahlkampf wichtig ist: Outsourcing. Unter Outsourcing versteht man die Verlagerung von Jobs aus einem Industrieland in ein Entwicklungs- oder Schwellenland. Also zum Beispiel die Schließung einer Papierfabrik in Italien bei gleichzeitiger Öffnung und Verlagerung einer Papierfabrik in Indien. Die Gründe für Outsourcing sind vielfältig, doch die gängigsten sind die Umgehung von strengeren Regulierungen in Industriestaaten oder niedrigere Lohnkosten in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Sieht man sich die Folgen von Outsourcing an, muss man differenzieren. Nämlich die Folgen für das Entwicklungs- bzw. Schwellenland und die Folgen für das Industrieland. Für das Schwellenland entstehen dadurch Jobs, die Arbeitslosigkeit sinkt und ein neuer Betrieb im Land sorgt für Steuereinnahmen für Land und Gemeinde. Auf der negativen Seite steht jedoch, dass viele dieser Jobs miserabel bezahlt werden und fürchterliche Arbeitsbedingungen haben. Man denke nur an die Sweat Shops in Bangladesh, in denen unsere billige Kleidung von Minderjährigen unter katastrophalen und ausbeuterischen Bedingungen hergestellt werden.

Die Folgen für das Industrieland sind teils positiv, jedoch überwiegend negativ. Viele Menschen verlieren ihre Jobs, welche dann vom Sozialsystem aufgefangen werden und den Gemeinden entgehen Steuereinnahmen. Die Übersiedlung eines Betriebs kann auch Folgen für die Zulieferbetriebe haben, welche dann ebenfalls mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und anderen Einsparungen reagieren müssen. Für den Steuerzahler fallen also große Kosten an, zum Teil eben durch verminderte Einnahmen, zum Teil durch gestiegene Kosten für Notstandshilfe, Arbeitslosengeld und Jobvermittlung. Zusätzlich dazu fallen größere Kosten für die Umwelt an, ein Transport von Asien nach Österreich verursacht mehr CO2 Ausstoß als ein innerösterreichischer Transport, no shit Sherlock! Auf der positiven Seite stehen nur geringere Kosten für den Produzenten und niedrigere Produktpreise für uns Konsumenten.

Was also können wir tun?

Das, was jeder einzelne Konsument machen kann, ist sich informieren. Besonders für Lebensmittel gibt es viele Informationsseiten wie foodwatch.org. Bei anderen Produkten, wie Kleidung, Elektronik oder Bücher, ist das ein wenig schwieriger herauszufinden, doch auch hier gibt es auf jedem Produkt zumindest eine kleine Kennzeichnung wo es verpackt, gedruckt, oder produziert wurde. Das weltberühmte „Made in China“ zum Beispiel. Anschließend müssen wir als Konsumenten uns überlegen, ob wir Outsourcing mit unserer Nachfrage nach extrem preiswerten Produkten unterstützen wollen oder lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und Produkte aus Europa kaufen wollen. Die Umwelt würde es uns danken, und damit würden wir auch Arbeitsplätze in Europa sichern.

Was kann die Politik tun?

Anders als Donald Trump & Co. vorschlagen, sollte die Politik die Zölle nicht erhöhen. Das bringt uns nur in einen Handelskrieg mit den betroffenen Ländern, die Produzenten würden einfach die Preise ihrer Produkte erhöhen. Dreimal darfst du raten, wer diese Preiserhöhung wieder tragen darf. DU natürlich als Konsument! Doch auch Subventionen für einzelne Branchen sind schwierig, stellen sie doch auch einen irregulären Eingriff in den Markt und den Handel dar. Das wird uns die WTO, die Welthandelsorganisation, nicht durchgehen lassen, und wenn man es nüchtern betrachtet, ist das auch gut so. Was die Politik allerdings machen könnte wäre den Faktor Arbeit billiger zu machen. Ich spreche hierbei nicht von der Senkung der Löhne, um Gotteswillen nein, sondern um die Senkung der Abgaben, die an anderer Stelle wieder hereingeholt werden. Die Wertschöpfungsabgabe von Bundeskanzler Kern kann dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Die Politik kann auch die Folgen der Globalisierung bekämpfen. So hat die EU seit 2014 den European Globalization Adjustment Fund. Dieser hat ein jährliches Budget von 150 Millionen Euro und soll den Arbeiterinnen und Arbeitern von großen Betrieben (mindestens 500 Beschäftigte), deren Jobs ausgelagert wurden, helfen, wieder einen Job zu finden. Der Fond finanziert Projekte, die Weiterbildung, Training und Entrepreneurship unterstützen. Eine Aufstockung des Fonds würde also all denen helfen, die wirklich Opfer der Globalisierung geworden sind. So kann man das Vertrauen in die EU wiederherstellen, indem man zeigt, dass diese Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, einem nicht egal sind.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf maxaurel.wordpress.com
Titelbild (Quelle): unsplash.com

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