Ufos, Kräfte des Mondes und das Ende der Welt

Ein Streifzug durch die Verwahrlosung von Wissenschaft und Aufklärung in diversen MassenmedienVon Sonja Beier

ufo_raumschiff

Als (natur)wissenschaftlicher Mensch staunt man nicht schlecht, was einem in Tageszeitungen und Magazinen, hauptsächlich Boulevard, an abenteuerlichen Weltuntergangsstories entgegenstrahlt. Der Beginn eines Artikel aus oe24.at spricht hierbei für sich selbst: „Wie selbsternannte Experten nun herausgefunden haben wollen, soll sich ein riesiger Planet unserem Sonnensystem nähern. Der Planet X oder auch Nibiru genannte Koloss soll 15-mal größer sein als die Erde, aber konnte bis jetzt noch nicht entdeckt werden.“

Was der Autor bzw. die Autorin mit „Forscher sagen das Ende der Welt voraus“ betitelte, hat,  etwas plump formuliert, den Wahrheitsgehalt von: Leute, die sich selbst als Experten bezeichnen, aber womöglich gar keine sind, schwafeln von der Gefahr eines Killerplaneten, der noch nie entdeckt wurde. Lächerlich natürlich, das wissen alle, die Weltraumforschung ansatzweise verfolgen. Vor einigen Monaten war von anerkannten Forschungseinrichtungen entdeckt worden, dass es ungewöhnliche Umlaufbahnen von Objekten ganz am Rand des Sonnensystems gibt, welche zum Beispiel der Einfluss eines weit entfernten, noch unentdeckten Planeten sein könnte. Das war‘s im Prinzip auch schon mit offiziellen Forschungsergebnissen zu dem Thema.

schutzengelNatürlich wäre es falsch zu verlangen, dass alle Menschen in Österreich wissbegierig Fachmagazine über Naturwissenschaft und Forschung verschlingen sollen. Insofern ist es die Aufgabe von Tages- oder Wochenzeitungen, wissenschaftliche Themen einfach zu gestalten, damit alle LeserInnen einen Zugang dazu haben. In der Theorie, schön und gut, in der Realität gestaltet sich die Wissenschaftsvermittlung des Öfteren als eine Schauermärchen- oder Verschwörungstheoriestunde. So schreibt oe24.at in einem weiteren Artikel vom mysteriösen Todesfall eines selbsternannten Ufo-Experten, die Kronen Zeitung gibt Tipps, wie man die Kraft des Mondes nützen kann, um die Wäsche sauberer zu waschen und besser Fenster zu putzen, und warum es Schutzengel wirklich gibt. Überhaupt stößt man auf recht abenteuerliche Suchergebnisse wenn man „OE24“ und „Ufo“ googelt. Da könnte man fast meinen, sie eröffnen demnächst eine Rubrik „Aliens und Weltuntergang“.

Gerade in den jetzigen Zeiten, in der viele Menschen sowieso nicht mehr wissen, was sie nun glauben sollen und was nicht, birgt diese Form der Gehirnwäsche eine Gefahr. Von momentan (regierenden) PolitikerInnen fühlen sie sich verraten und nicht ernst genommen, von rechten Hetzern werden sie dem Rassismus und sämtlichen Verschwörungstheorien, manche antisemitisch,  in die Arme getrieben. Abgesehen von den ganz absurden Theorien, wie etwa die Existenz von Echsenmenschen, einer Hohlerde und Wüstenbolschewismus gibt es durchaus subtilere Verschwörungstheorien, die den Menschen eine Gefahr beibringen, die es gar nicht gibt.

Doch diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Am 19. Mai 1910, also vor etwa einem Jahrhundert, sollte die Welt wegen dem berühmten Halleyschen Kometen untergehen. Wenn er schon nicht einschlägt, dann sollte zumindest das giftige Kometengas die Erdoberfläche verseuchen. „Kometenpillen“ und Atemschutzmasken wurden zum Verkaufsschlager, eine Massenpanik machte sich breit. Zwar saß damals keine vergleichbare rechtspopulistische Partei in den Startlöchern, dennoch waren es instabile Zeiten die vier Jahre später im ersten Weltkrieg mündeten. Wissenschaft, Fortschritt und Aufklärung standen reaktionären Kräften immer im Weg und Medien – egal ob Print oder Film – sind willkommenes Mittel zur Manipulation. Forschung war nur dann erwünscht, wenn sie für militärische oder unterdrückende Zwecke brauchbar war.

Wenig verwunderlich also, dass sich Aberglaube und Esoterik mit Hilfe von hetzerischen Massenmedien wieder im Gesellschaftsbild breit machen. Bei der Freiheitlichen Partei Österreichs wird man mit offenen Armen empfangen, wenn man Zeuge einer vermeintlichen Ufosichtung geworden ist . Auch Straches Rede über den drohenden Bürgerkrieg mit „ArmutsmigrantInnen“ ist nichts anderes als eine apokalyptische Fantasie und in Kombination mit dem „Gotteswahlkampf“ seines Parteikameraden Hofer in etwa auf dem gleichen Level wie Dschihadisten, die zum heiligen Gotteskrieg aufrufen. Die Anhängerschaft der Blauen wird dermaßen manipuliert, dass sie den Blick darauf verliert, was dem Leben hier tatsächlich schadet. Man kann es sich nicht schönreden, nicht alle, aber doch viele von ihnen sind mittlerweile leider zu nach Gewalt-lechzenden Tastaturmonstern geworden, die vermutlich nicht an Gott, aber Verschwörungstheorien glauben. Doch wenn die Mindestsicherung weiterhin so stark angegriffen wird, kann man noch so viele „Ufos“ sehen, man wird trotzdem nicht die Miete zahlen können. Und auch die „Kraft des Vollmondes“ auf den Menschen, die übrigens noch von keiner wissenschaftlichen Studie bewiesen werden konnte, wird nicht dafür sorgen, dass endlich die langersehnte Lohnerhöhung eintritt. Es wird auch kein Schutzengel die Rodung von riesigen Flächen Regenwald und die Müllberge im Ozean verhindern.

Zu Arbeitskämpfen und sozialer Ungleichheit bringen Boulevard-Medien, aber auch qualitativ hochwertigere Blätter, ohnehin selten Beiträge. Warum auch, profitieren sie doch davon, sich ungehindert von Inseraten großer Unternehmen finanzieren zu lassen und bezahlen ihre MitarbeiterInnen obendrein selbst schlecht. Doch wenigstens schaffen es niveauvollere Zeitungen in den meisten Fällen Wissenschaft von Aberglaube zu trennen.
Wichtig sei zu erwähnen, dass die Forschung nach einem möglichen Riesenplaneten am Rande unseres Sonnensystems und potentiellen intelligenten Leben im All absolut richtig ist. Aber bitte von echten WissenschaftlerInnen und nicht selbsternannten ExpertInnen, die irgendwo  irgendwas möglicherweise gefunden „haben wollen hätten könnten“.

Fotos: Ufo (pixabay.com; public domain); Schutzengel (Fabian Lehr); Titelbild: Komet (pixabay.com; public domain)

 

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