Hin und wieder sitze ich vor meinem Laptop und höre meine innere Stimme, die sagt: „Soziale Medien bringen die schlechtesten Seiten der Menschheit ans Tageslicht.“Von Stefan Kastél

Facebook, Twitter, Youtube oder Instagram, gab es vor 15 Jahren noch nicht. Das Internet begann damals so richtig zu erwachen und ermöglichte uns völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten, wodurch unsere Spezies im Laufe der Zeit, auch eine Bühne zur Selbstpräsentation bekam.

Heute halten wir jene Werkzeuge in den Händen, die es uns ermöglichen, immer und überall unsere Meinung zu äußern. Fundiert, nicht fundiert, sachlich oder unsachlich. Leute aus unterschiedlichsten Meinungs-Blasen, gesellschaftlichen Schichten oder Berufen, können sich nun schon seit mehreren Jahren vernetzen und austauschen.

Auf der anderen Seite hat insbesondere Facebook einen Raum für jene Personen geöffnet, denen es um keine der oben genannten Dinge geht. Über das Phänomen des „Trolls“ in unserer Internetkultur, gibt es leider nur wenige wissenschaftliche Beiträge. Und doch lassen sich nach all den Jahren bestimmte Charakteristika feststellen.

Laut ersten wissenschaftlichen Schätzungen geht man davon aus, dass rund 6 Prozent der Benutzer von sozialen Medien, ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil aufweisen, das in die Kategorie „Troll“ einzuordnen ist.

Ihre Charakteristika:

  1. Trolle agieren absichtlich, wiederholt und schädlich.

  2. Trolle ignorieren und verletzen die Grundsätze der Community.

  3. Trolle richten nicht nur inhaltlichen Schaden an, sondern versuchen auch, Konflikte innerhalb der Community zu schüren.

  4. Trolle sind innerhalb der Community isoliert und versuchen ihre virtuelle Identität zu verbergen.

2013 untersuchten drei Psychologen der Universität von Manitoba (Winnipeg/Kanada) die Persönlichkeit von Internet-Trollen genauer und kamen zu dem Ergebnis, dass das oben beschriebene Verhalten auf Alltagssadismus, Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie schließen lässt. In der Psychologie bezeichnet man diese Kombination von Charaktereigenschaften als „Dunkle Tetrade“.

Der Internet-Troll zeichnet sich also vor allem durch Destruktivität aus und hat kein ehrliches Interesse an einer gesitteten oder sachbezogenen Auseinandersetzung.

Diese Art der Kommunikation haben sich in der Vergangenheit auch größere Unternehmen oder politische Gruppierungen zu Nutze gemacht. Im Jahr 2014 berichtete das österreichische Monatsmagazin „DATUM“ darüber, dass etwa die ÖBB, Bank Austria oder die ÖVP für „Jubelpostings“ bezahlt hatten. Ebenso veröffentlichte die „Süddeutsche“ einen Artikel über mehrere hundert Mitarbeiter, die im Auftrag des Kremls Nachrichten aufpolierten, um die Linie Putins zu unterstützen und gleichzeitig Oppositionelle zu diskreditieren. Aber auch die EU soll 3 Millionen Euro für die Arbeit von Trollen bereitgestellt haben, um EU-kritische Diskussionen im Netz zu steuern, heißt es in einem MDR-Interview mit der Medienwissenschaftlerin Jana Herwig.

Für „normalsterbliche“ Benutzer von sozialen Medien bedeutet es vor allem, dass man diesem Menschenschlag keine Munition liefern sollte, da sich die Motive, welche hinter einem Troll-Account stecken, niemals ändern werden. Suche nach Aufmerksamkeit, Rache, Spaß und Unterhaltung, Wunsch, der Community möglichst großen Schaden zuzufügen und Stimmungsmache.

Man sollte den Troll also trollen lassen und andere Menschen bei Gelegenheit darauf hinweisen, dass es keinen Sinn macht solche Profile zu „füttern“. Man erspart sich dadurch sicher ein paar Bauchschmerzen.

Titelbild: Trolle bitte nicht füttern! (Simplicius; Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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