Ein Zeitungsartikel gibt mir Rätsel auf

Die Kolumne für Science Fiction, Politik und Nudelsalat. Von Max Sternbauer

Das Absurdeste an diesem Text liegt schon in seinem Fundament eingebaut, und dabei beginnt er schon mit dem Hinweis und einer Analyse des Problems. Zuerst wird Konfuzius zitiert: „Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht; gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft die Justiz nicht; trifft die Justiz nicht, weiß die Nation nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man nicht, dass in den Worten etwas in Unordnung sei. Das ist es worauf alles ankommt.“

Das Absurde Fundament des Textes, soll schnell erklärt werden: Die Wochenzeitung Junge Freiheit brachte vor kurzem eine Rezension, die die neue Biografie über Karl Kraus unter die Lupe genommen hatte; die Daten über das Buch fischt euch bitte selber aus dem Netz, denn der Inhalt ist für mich blowin´in the wind.

Für mich ist nur die Rezension spannend, und da dient mir auch nur ein Satz als Beispiel. 

In einem Text der Karl Kraus behandelt,  sollte man meinen würde doch erst Recht auf sprachlichen Ausdruck geachtet werden; dass man zum Beispiel keine billigen Phrasen verwendet.

Dann liest man das:

„Erst spät, 1931,  ist Karl Kraus auf diese chinesische Weisheit (also die ganz zu Anfang) gestoßen und hat sie sogleich enthusiastisch zustimmend zitiert. Sie enthält in drei Sätzen sein Leben als Schriftsteller und Publizist, der im April 1899 mit dem Ein-Mann-Unternehmen der Wiener Wochenzeitschrift „Die Fackel“ angetreten war, zur  „Trockenlegung des Phrasensumpfes,“ der sich rasant ausbreitete in dem seit Karl V. arg geschrumpften Habsburgerreich, in dem längst wieder die Sonne unterging.“

Als historisch interessierter Österreicher tun sich da einige Fragen auf. Was meinte der Autor mit dem schrumpfenden Habsburgerreich, dass seit Karl V. schrumpfte? Also eine territoriale Verminderung des Herrschaftsbereiches der Habsburger um 1500 kann man so nicht behaupten; denn zwar wurde das Reich in zwei Hälften geteilt, so dass zwei Linien entstanden, die der spanischen und österreichischen Habsburger, auch starb die erste schnell aus. Aber wuchs das spanische Imperium auch nach dem Ende dieser Linie weiter, wie auch die deutsche Seite Gebiete in Europa für sich gewinnen konnte. So blieb auch, wenn man sich nur auf Österreich konzentrierte, bis 1918, die alleinige Größe des Reiches relativ stabil. Ländereien gingen verloren und es wurden neue hinzugefügt.

Oder er meinte die historische Abnahme der politischen Macht des Hauses Habsburg. Aber, so einen Machtverlust hat es nicht gegeben, sieht man von der Feindschaft von Napoleon ab, oder den Aufstieg Preussen.  Ganz im Gegenteil, denn mit dem Ende der Türkenkriege zum 18.Jahrhundert hin, stieg Österreich zu einer europäischen Großmacht auf.

Vielleicht hatte sich der Autor auch nur verschrieben und meinte den letzten Kaiser der Donaumonarchie: Kaiser Karl I.

Das meinte ich mit absurden Fundament für einen Text, wo immerhin Zitate von Konfuzius und Karl Kraus Verwendung gefunden haben. Ob das funktioniert hat, na ja.

Aber was kann ich auch von einer Wochenzeitung erwarten, die Demos zu  „Black Lives Matter,“ als marxistisch motiviert ansieht.

Titelbild: Arek Socha auf Pixabay


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