Auf ein Plauscherl mit Fidel

Gerardo_FidelEhemalige in den USA inhaftierte kubanische Aufklärer (Cuban Five) besuchten Ex-Präsident – Reflexion von Fidel Castro im Wortlaut

Havanna – „Ich war während der Stunden gestern glücklich“, schrieb Fidel Castro am Sonntag in seiner „Reflexion“ (s.u.) über das Treffen mit jenen fünf kubanischen Aufklärern, das am vergangenen Samstag, 28. Februar, stattfand.

73 Tage nachdem die letzten drei der „Cuban Five“ nach 16 Jahren US-Haft kubanischen Boden betreten hatten, empfing sie der kubanische Revolutionsführer und Ex-Präsident in seinem Haus. Dabei plauderten Antonio Guerrero, Ramón Labañino, Gerardo Hernández, René und Fernando González über die Zeit in der sie „feuchte, schlecht riechende und ekelhafte Luft der Keller von Yankee-Gefängnissen“ (Castro) atmen mussten. Fünf Stunden dauerte die Unterredung mit den in Kuba als Helden gefeierten und hierzulande – wenn überhaupt – als „Spione“ bekanntgewordenen kubanischen Geheimagenten, die in den 1990er Jahren in Südflorida aktiv waren, um Kuba vor Anschlägen exil-kubanischer Terrorgruppen zu beschützen.

Nachdem Kuba die US-Behörden über ihre Erkenntnisse informiert hatte, wurden die „Cuban Five“ am 12. September 1998 vom FBI verhaftet – anstatt gegen die terroristischen Gruppen vorzugehen – , anschließend wegen Spionage und Verschwörung zum Mord angeklagt und in einem von Amnesty International als unfair bezeichneten Prozess zu drakonischen Haftstrafen verurteilt.

cinco_fidelWährend René González (im April 2013) und Fernando González (im Februar 2014) ihre Haftstrafen abgebüßt hatten, wurden Antonio Guerrero, Ramón Labañino und Gerardo Hernández am 17. Dezember des vergangenen Jahres nach diplomatischen Geheimverhandlungen zwischen Kuba und den USA vorzeitig freigelassen.

Fidel Castro im Wortlaut:

Ich empfing sie am Samstag, dem 28. Februar, 73 Tage nachdem sie kubanischen Boden betreten hatten. Drei von ihnen hatten 16 lange Jahre ihres besten Lebensalters damit aufgezehrt, die feuchte, schlecht riechende und ekelhafte Luft der Keller von Yankee-Gefängnisen zu atmen, nachdem sie von käuflichen Richtern verurteilt worden waren. Die anderen beiden, die ebenfalls versucht hatten, die kriminellen Pläne des Imperiums gegen ihr Vaterland zu vereiteln, wurden auch zu langen Jahren brutaler Haft verurteilt.

Die Untersuchungsbehörden, bar jeden elementaren Gefühls für Gerechtigkeit, waren selbst an der unmenschlichen Jagd beteiligt.

Der kubanische Geheimdienst hatte es absolut nicht nötig, die Bewegungen auch nur einer einzigen militärischen Einheit der Vereinigten Staaten zu verfolgen, denn man konnte über die Radioelektronische Forschungsbasis „Lourdes“ im Süden der Hauptstadt Kubas alles beobachten, was sich auf unserem Planeten bewegte. Dieses Zentrum war in der Lage, jedes bewegliche Objekt, auch wenn es Tausende von Meilen von unserem Land entfernt war, aufzuspüren.

Die fünf antiterroristischen Helden, die niemals den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt haben, versuchten, terroristischen Aktionen gegen unser Volk vorzubeugen und diese zu verhindern, welche von den US-Geheimdienst-Organen arrangiert wurden, die der Weltöffentlichkeit zur Genüge bekannt sind. Keiner der fünf Helden führte seine Aufgaben aus, um Beifall, Lohn oder Ruhm zu ernten. Sie erhielten ihre ehrenvollen Titel, weil sie darauf nicht aus gewesen waren. Sie, ihre Ehefrauen, ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Geschwister und ihre Mitbürger, wir alle haben das legitime Recht, uns stolz zu fühlen.

Im Juli 1953, als wir die Moncada Kaserne angriffen, war ich 26 Jahre alt und hatte viel weniger Erfahrung als die, die sie bewiesen haben. Wenn sie in den Vereinigten Staaten waren, geschah dies nicht, um diesem Land zu schaden oder Rache für die Verbrechen zu üben, die von dort organisiert wurden, von wo auch Sprengkörper für den Einsatz gegen unser Land geliefert wurden. Der Versuch, dies zu verhindern, war absolut legitim.

Bei ihrer Ankunft war das Wichtigste, ihre Familienangehörigen, ihre Freunde und das Volk zu begrüßen, ohne auch nur eine Minute die Gesundheit und die strengen medizinischen Untersuchungen zu vernachlässigen.

Ich war während der Stunden gestern glücklich. Ich hörte wundervolle Geschichten, die vom Heldentum der Gruppe zeugen, wobei Gerardo der Wortführer war und von allen anderen ergänzt wurde, einschließlich des Malers und Dichters, den ich kennengelernt hatte, als er eine seiner Arbeiten auf dem Flugfeld von Santiago de Cuba durchführte. Und die Ehefrauen? Die Söhne und Töchter? Die Schwestern und Mütter? Werden sie auch empfangen werden? Man muss doch die Rückkehr und die Freude mit der Familie feiern!

Gestern wollte ich mich erstmal mit den fünf Helden austauschen. Fünf Stunden lang war dies das Thema. Ich verfüge glücklicherweise seit gestern über genügend Zeit, um sie zu bitten, dass sie einen Teil ihres immensen Ansehens in etwas investieren, das höchst nützlich für unser Volk sein wird.

unterschrift_fidelcastro

 

 

 

Fidel Castro

1. März 2015, 22 Uhr 12

Text: Michael Wögerer; Quelle: de.granma.cu
Fotos: Estudio Revolución

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